Schiffssetzungen in Skandinavien – steinerne Zeugen der Vergangenheit

Schiffssetzungen, wie zum Beispiel die berühmten Ales Stenar in Kåseberga, sind im skandinavischen Raum primär in Küstennähe zu entdecken und markieren manchmal –aber nicht immer– Urnen- und Brandgräber. Die meisten stammen aus der Wikingerzeit (circa 800 bis 1066 nach Christus). Was hat es mit den mitunter imposanten Findlingen auf sich?

Zunächst ist es notwendig, zwischen zwei Formen von Gräbern mit nautischen Merkmalen zu unterscheiden. So gibt es Bootsgräber, wie das berühmte Osebergschiff –ein komplettes Schiff mit zahlreichen Grabbeigaben — das man in Norwegen unter einem Grabhügel fand und das laut Forschungsmeinung das Grab einer Völva, einer nordischen Priesterin war . Eine Schiffssetzung hingegen besteht aus vielen einzelnen Findlingen, die ein Boot symbolisieren. Bis zur Wikingerzeit, in der der Trend auch zur Körperbestattung ging, fand man in und bei Schiffssetzungen häufig Urnen- und Brandgräber. Manche der Schiffssetzungen könnten laut dem Ur- und Frühgeschichtler Torsten Cappelle auch Kenotaphe, leere Grabmäler für auf Reisen verstorbene Angehörige sein. So forderte die hohe Mobilität in der damaligen Zeit auch Opfer, woran auch diverse Runensteine erinnern. Darüber hinaus nennt der Forscher noch einen weiteren Zweck der Schiffssetzungen: Zuweilen fand man anstelle von Gräbern Herdstellen, was darauf mutmaßen lässt, dass die Steinformationen auch für Rituale genutzt worden sind.

Schiffssetzung auf dem Gräberfeld bei Gettlinge, Öland
Schiffssetzung auf dem Gräberfeld Gettlinge auf der Insel Öland. Foto: Hstad CC-BY-SA 2.0 DE

Die Erklärung für das häufige Auftreten der Steinformationen liegt in der Lebenswelt der Menschen der frühen Skandinavier begründet. Die beständige Nachbarschaft zu großen Seen, Flüssen und Sümpfen und natürlich auch zum Meer machten das Schiff ab der Bronzezeit (circa 1800 vor Christus– 530 vor Christus) zum Transportmittel Nummer eins. Auch waren die Nordmänner auf den Handel angewiesen und aus diesem Grund liefen regelmäßig Schiffe in den Häfen großer Handelsplätze wie Haithabu oder Birka ein.

Das Gräberfeld von Lindholm Høje. Foto: Carsten Dahlmann

Zudem sind laut Rudolf Simek göttliche Schiffe überliefert. Der nordische Gott Freyr besaß ein magisches Schiff namens Skíðblaðnir, dessen Name nahezu unaussprechlich ist, aber das nach Gebrauch faltbar in jede Tasche passte. Auch das Schiff Naglfar, von dem Snorri Sturluson (der Autor der Edda) vermutete, es sei ein Schiff aus den Fingernägeln der Toten und Hringhorni, das Totenschiff der Gottes Balder, sind Teil der nordischen Mythologie. Dies alles ist Grund genug, einige dieser Stätten genauer in Augenschein zu nehmen.

Titelfoto: Conny Fridh/imagebank.sweden.se

2 Gedanken zu „Schiffssetzungen in Skandinavien – steinerne Zeugen der Vergangenheit“

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