Zeeland: auf den Spuren der Göttin Nehalennia

Nehalennia zählt zu den germanischen Göttinnen und wurde von Römern, Kelten und Germanen gleichermaßen verehrt. Im heutigen Zeeland, wo der Fluss Schelde in die Nordsee mündet, war die Göttin besonders populär. Wer auf den Spuren der Nehalennia wandeln möchte, entdeckt im kleinen Urlaubsort Domburg erste Hinweise. Im Hafen von Colijnsplaat befindet sich sogar ein rekonstruierter Tempel.

Nehalennia: eine rätselhafte Göttin

Nehalennia ist uns in Zeeland von zahlreichen Inschriften auf Votivaltären aus dem dritten Jahrhundert überliefert. Häufig sieht man sie mit einem Korb voller Früchte. Dies könnte darauf hinweisen, dass man Nehalennia als gütige Fruchtbarkeitsgöttin verehrt hat. Die Darstellung erinnert zum Teil an die der Matronen, deren Spuren wir in der Eifel finden. Oft steht ihr auch ein Hund zur Seite, was auf eine dunklere Seite — die Funktion als Todesgöttin — hindeuten könnte. Aus etymologischer Sicht wäre es möglich, dass sich ihr Name vom lateinischen nex (Todesfall) oder necare (töten) ableitet. Auch stützt sie sich zuweilen auf ein Ruder, sodass man davon ausgehen kann, dass Nehalennia auch als Schifffahrtsgottheit interpretiert wurde. Auch die Inschriften auf den Votivsteinen weisen darauf hin, da sich auf ihnen vor allem Danksagungen von Kaufleuten und Händlern finden. Es ist nicht abwegig, dass man der ambivalenten Göttin mit Freuden nach einer gefährlichen Schiffsreise über die stürmische Nordsee dankte.

Domburg: Statue der Nehelennia mit Obstkorb und vierbeinigem Begleiter. (1989) Foto: Ben Pirard CC-BY-SA 3.0

Domburg: eine Stadt der Nehalennia

Bereits im Jahre 1674 fanden Einwohner rund 25 Votivsteine mit lateinischen Inschriften auf der Halbinsel. Aufgrund ihrer Nähe zur Küste ist Domburg eine typische Stadt für Urlauber, die einen beschaulichen Strandurlaub genießen wollen. Das kleine Seebad ist voll von gemütlichen Cafés, die zum Genuss von Kakao und Kuchen einladen. Wer genauer hinschaut, entdeckt hier und da die Spuren der Göttin, der die Römer dort einst einen Schrein errichteten. Das Heiligtum wurde jedoch im dritten Jahrhundert vom Meer verschlungen, aber vergessen hat man die Göttin nicht. So können Gäste im Hotel Nehalennia wohnen und es gibt auch einen Nehalenniaweg. Seit 1989 sitzt eine Statue der Göttin auf einer Bank und wacht vielleicht über die Reisenden, die ihre Stadt besuchen. Wer schon einmal da ist, kann eine Wanderung durch das Naturschutzgebiet Manteling an seinen Besuch anschließen.

Die Dünen von Domburg. Foto: G. Lanting CC-BY 4.0

Der Tempel der Nehalennia in Colijnsplaat

In Colijnsplaat, rund 25 Kilometer von Domburg entfernt, entdecken Urlauber einen nach römischen Vorbild rekonstruierten Tempel der Göttin Nehelennia. Erst 1970 wurden hier an der Küste rund 100 Statuen und Votivsteine der Gottheit gefunden. Das sakrale Gebäude wurde im Jahre 2005 eröffnet und ist die Nachbildung eines Schreins, der sich zwischen den Jahren 150 und 250 n. Chr. auf Zeeland befand. Das Bauwerk befindet sich am Ufer des Oosterscheldenantionalparks und in direkter Nähe der Nordsee. Die Forschung nimmt an, dass Kaufmänner und Händler, die auf dem Schiffsweg nach Britannien reisten, der Göttin für ihren Schutz auf der Reise opferten. Eingeweiht wurde der Tempel von einem römischen Priester. Neben der historischen Bedeutung einer alten römischen Siedlung für die Region steht der Ort auch neuheidnischen Gruppen offen. Der Seite zufolge ist der Tempel „nach Möglichkeit“ zwischen 11 und 17 Uhr zugänglich, weswegen Besucher sich im besten Fall frühzeitig anmelden sollten.

Nehalennia-Funde in Museen auf Zeeland

Wer sich für die Funde aus Domburg und Colijnsplaat ansehen möchte, findet diese in verschiedenen Museen in den Niederlanden. Dies sind

Im Zeeuws Museum befinden sich die Funde aus Domburg, während Besucher im Rijksmuseum die Relikte aus Colijnsplaat entdecken. Darüber hinaus präsentiert das Maritim Museum eine kleine Ausstellung mit fünf Votivaltären der Nehalennia.

Künstlerische Rezeption der Nehalennia

Die niederländische Paganfolkband Heidevolk singen hauptsächlich in ihrer Muttersprache. Die Songs der Musiker beschäftigen sich primär mit der Geschichte und der Mythologie germanischer Stämme sowie mit der Provinz Gelderland.

Wissenswertes: Nehalennia in Köln

Auch in Köln-Deutz in Nordrhein-Westfalen wurden Überreste eines Tempels der Nehalennia gefunden. Diese wurden allerdings im Zweiten Weltkrieg zerstört. Im Römisch-Germanischen Museum am Kölner Hauptbahnhof entdeckt der aufmerksame Besucher eine kleine Statuette, welche die Attribute der Nehalennia aufweist.

Titelfoto: Chris06 CC-BY 3.0

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