Der Drachenfels -märchenhafter Ort am Rhein

Der Rhein ist seit Jahrhunderten eine Quelle der Inspiration für Dichter und Künstler gewesen, und die Orte, die in seiner Nähe entstanden sind, atmen stets den Geist des Märchenhaften, so zum Beispiel der Drachenfels bei Königswinter. Die Nibelungenhalle, Schloss Drachenburg und die Burgruine Drachenfels erwarten den interessierten Besucher dort.

Die Nibelungenhalle – eine Hommage an Richard Wagner

Es ist natürlich praktisch, den gerade im Sommer etwas schweißtreibenden Weg auf den Berg zu vermeiden und mit Deutschlands ältester Zahnradbahn (1883) zu fahren. Wer den Weg mit der eigentlich moderaten Steigung aber zu Fuß beschreitet, wird zuerst auf die Nibelungenhalle treffen. Diese wurde 1913 anlässlich des 100. Geburtstags des Komponisten Richard Wagner errichtet. Wagner, der sich intensiv mit den Schriften der nordischen Mythologie auseinandergesetzt hatte, schuf mit dem Ring der Nibelungen, einem vierteiligen Opernzyklus, ein musikalisches Meisterwerk, das bis heute Kunst und Kultur beeinflusst.

Foto: Axel Kirch / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Der Ring der Nibelungen – Germanische Götter und tragische Liebe

Die im Jugendstil errichtete und von sechs Säulen begrenzte Halle zeigt die Midgardschlange, welche in der germanischen Mythologie die Erde umschlingt. Teil der Ausstellung sind Gemälde zu den vier Ringopern Rheingold, Götterdämmerung, Walküre und Siegfried. Die Halle entstand unter der Anleitung des Malers Hermann Hendrich, von dem zum Beispiel das Gemälde Freyas Garten stammt. Der aus Königswinter stammende Architekt Franz-Josef Krings schuf die Köpfe der Protagonisten des Rings der Nibelungen, so zum Beispiel Wotan. Die Gemälde bilden grob die Hintergrundgeschichte des Rings ab. So entsteht der Held Siegfried aus dem Inzest der Zwillinge Siegmund und Sieglinde. Nach deren Tod wird er als Waise von dem Schmied Mime aufgezogen. Später befreit er die Walküre Brünhilde von dem Fluch Wotans und beide entbrennen in Liebe zueinander. Auch diese Geschichte endet (wie das Nibelungenlied), durch Verrat und Täuschung, mit Tränen sowie dem Tod der Beteiligten.

Von Hermann Hendrich

Nibelungenhalle – Bombast ohne historische Einordnung

Im Außenbereich befindet sich zudem die idyllische Drachenhöhle, in der ein rund zehn Meter langer Drache aus Stein am Ufer eines mit Molchen bestückten Teiches ruht. Im Reptilienzoo leben viele unterschiedliche Schlangen und Echsen, sogar Alligatoren. Ein Pluspunkt: Hunde dürfen ihre Menschen in alle Räumlichkeiten begleiten.

Nun kommt jedoch ein großes Aber. Die Germanen-Rezeption im Kaiserreich war politisch motiviert und Richard Wagner war sowohl als begnadeter Künstler als auch als begeisterter Antisemit bekannt. Der Maler Hermann Hendrich war Mitbegründer des völkischen Werdandi-Bundes, einem Vorläufer weiterer nationaler und rassistischer Bewegungen. Die Swastiken, die an dem Gebäude zu entdecken sind, könnten ebenso in eine bestimmte Richtung ausgelegt werden. Gesamtkunstwerke wie die Nibelungenhalle zeigen anschaulich, wie viele Zeitgenossen des 19. und 20. Jahrhunderts politisch einzuordnen waren. Eine geistesgeschichtliche Einordnung und Bewertung würde dem historischen Ort nicht schaden, sondern ihn noch interessanter machen. Entsprechende aufarbeitende Hinweistafeln diesbezüglich fehlen jedoch.

Schloss Drachenburg – Dekadenz mit Rheinblick

Foto: Ger4e81 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0

Schloss Drachenburg wurde zwischen den Jahren 1882 und 1884 erbaut und kann als klassisches Märchenschloss bezeichnet werden. Der romantische Baustil mit den zahlreichen Türmchen und Bögen wird als Historismus bezeichnet. Dabei griffen die Architekten — verkürzt erklärt — auf eine verklärte Version anderer Epochen zurück. In der Epoche der Romantik schwärmten die Zeitgenossen vom Mittelalter und auch von der Schönheit der antiken Künste. Wer durch die Flure von Schloss Drachenburg flaniert, dem werden vor allen Dingen die kunstvollen Glasfenster auffallen, die Musikern, Künstlern und Gelehrten ein Denkmal setzen.

Foto: Schlawensko – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0

Schloss Drachenburg – ein Ort mit bewegter Geschichte

Der Bauherr des Gebäudes war Baron Stephan von Sarter, ein Börsenspekulant, der dort allerdings nie gelebt hatte, sondern Paris vorzog. Sein Neffe Jakob Biesenbach wurde sein Erbe. Offensichtlich war er Wagner-Fan, denn er nannte die im Park stehenden Blockhäuser Walküre, Isolde, Parsival und Tristan. Er gab das Grundstück der Öffentlichkeit frei. Im Laufe seiner Geschichte hat das Schloss viel mitgemacht. So war es eine katholische Lehranstalt und trug einst sogar den Namen Adolf-Hitler-Schule und war quasi eine Art Hogwarts für SS-Anwärter. Nach dem zweiten Weltkrieg verlotterte das Anwesen und wurde erst 1971 vor dem Verfall bewahrt. Seit 1986 steht das Schloss unter Denkmalsschutz und ist Eigentum des Landes Nordrhein-Westfalen. In der Vorburg von Schloss Drachenburg befindet sich zudem das Museum der Naturschutzgeschichte, was ebenfalls einen Besuch wert ist.

Burgruine Drachenfels – Rheinromantik in luftigen Höhen

Foto: Stephan Mense (user FEXX) – Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0

Wer sich nach all dieser kulturellen Reizüberflutung das letzte Stück den Drachenfels hinaufgekämpft hat, wird mit einer großartigen Aussicht über den Rhein und die Stadt Königswinter belohnt. Interessant wäre noch zu wissen, dass die Burg im Jahre 1149 erbaut und im 30-jährigen Krieg demoliert worden ist. Inspiration war der Ort auch für Heinrich Heine, der sein Gedicht Die Nacht auf dem Drachenfels verfasste, nachdem er dort 1819 mit Bonner Studenten den Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig zelebriert hatte. Auch heute ist der Drachenfels eine beliebte Anlaufstelle für Touristen, und der die Einsamkeit suchende Wanderer wähle weise, wann er seinen Besuch plant.

Titelfoto: Ca. 1900, Urheber unbekannt

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