Friedrich Engels: Lebemann und Revolutionär

Der am 28. November 1820 in Barmen geborene Friedrich Engels stammte aus einer wohlhabenden Unternehmerfamilie und war in seinem bewegten Leben unter anderem als kritischer Journalist, sorgloser Lebemann sowie als erfolgreicher Unternehmer und Aktienspekulant bekannt. In der Zusammenarbeit mit seinem Freund Karl Marx spielte er ganz bewusst die zweite Geige. Anlässlich seines 200. Geburtstages steht Engels nun im Mittelpunkt der Betrachtung.

Der junge Friedrich Engels. Foto: Stadt Wuppertal

Prekär in Barmen: Pietismus und Ausbeutung

Friedrich Engels war das erste Kind des Baumwollproduzenten Friedrich Engels. Seine Familie lebte seit dem 16. Jahrhundert im Bergischen Land. Der intelligente und auf knabenhafte Weise attraktive, junge Mann besuchte das als liberal bekannte Gymnasium in Elberfeld, fand Gefallen an humanistischen Ideen und ging — wie fast alle Heranwachsenden — in Opposition zu seinem Vater. Als Friedrich 17 Jahre alt war, veranlasste ihn sein Vater, die Schule zu verlassen und eine Ausbildung als Kaufmann zu beginnen. Dabei führte ihn sein Weg nach Bremen, wo er erste revolutionäre Ideen entwickelte und den pietistischen Glauben seiner Familie in Frage stellte. Dieser passte ideal zu den ab 1830 aufkommenden, ausbeuterischen Tendenzen der beginnenden Industrialisierung, da dieser Glaube davon ausging, dass Gott die Menschen, die er besonders liebte, bereits im Leben materiell belohnte, während der Arme nach Nachsehen hatte. In Briefe aus dem Wuppertal schilderte er den Zusammenhang von Religion und sozialem Elend in seiner Heimatstadt. Auch sein Aufenthalt im englischen Manchester, wo die siechen Arbeiter in entmenschlichten Verhältnissen lebten, prägten Engels.

Engels und Marx. Foto: Stadt Wuppertal

Die soziale Frage im Bergischen Land

Mit der auch in Deutschland aufkommenden Industrialisierung gingen prekäre Lebensbedingungen einher. Arbeitszeiten von mehr als zwölf Stunden waren keine Seltenheit. Das Leben des Individuums wurde von der Stechuhr bestimmt. Wenn ein Arbeiter sich 10 Minuten verspätete, so konnte es sein, dass ihm der halbe Lohn gekürzt wurde. Zudem lebten die Menschen unter beengten und unhygienischen Bedingungen, was die Ausbreitung von Krankheiten wie Krätze oder Tuberkulose förderte. So teilte sich eine Arbeiterfamilie ein Zimmer und die Betten wurden mitunter an „Schlafburschen“ vermietet, die andere Schichtzeiten hatten. Auch Kinderarbeit war neben dem Schulbesuch üblich. Wer aber nach einem langen Arbeitstag in der Schule einschlief, hatte noch Prügel vom Lehrer zu befürchten. Kein Wunder, dass sich der humanistisch orientierte Engels gegen solche Missstände engagierte.

Theodor Hosemann: Armut im Vormärz Gregor Meilchen: Der Pauperismus. Massenarmut im Vormärz. In: Praxis Geschichte 19 (2006), Heft 3, S. 34-38, hier S. 34.

Engel und Marx – das Dreamteam der sozialen Bewegung

1842 traf Engels das erste Mal auf den älteren Karl Marx und es entstand ein reger Austausch von Ideen. Das wohl bekannteste Werk der beiden ist das Kommunistische Manifest, in dem sie aus dem Gegensatz zwischen Kapital und Lohn die gesellschaftliche Entwicklung ableiten. Engels, der sich neben seiner politischen Arbeit als erfolgreicher Unternehmer erwies, finanzierte als Mäzen den wohl nicht gerade geringen Lebensstandard von Marx und seiner Familie und brachte nach dessen Tod Teil zwei und drei des Kommunistischen Manifests heraus. Neben seiner politischen Arbeit studierte der umtriebige und kampferfahrene Engels Militärwesen, lernte zwanzig Sprachen und nahm am gesellschaftlichen Leben der Oberschicht teil, hatte zahlreiche Affären und brüstete sich damit, private Konflikte im Duell gelöst zu haben. So kann man mit Fug und Recht sagen, dass Engels eine schillernde Figur war, dessen Leben durchaus von Widersprüchen geprägt war, aber dessen Ideen heute noch aktuell sind.

Historisches Zentrum Barmen – auf den Spuren Engels‘

Das historische Zentrum in Barmen erinnert heute an den wohl berühmtesten Sohn der Stadt. Dort befindet sich das Engelshaus sowie das Museum Industriekultur und Frühindustrialisierung. An diesem Ort kann sich der Besucher über die Industrialisierung des Bergischen Landes informieren. Darüber hinaus erfährt der interessierte Besucher natürlich mehr über Friedrich Engels und seine Familie. Im Engelsgarten entdecken Besucher auch das Engels-Denkmal, eine 3,85 Meter große Bronzestatue des chinesischen Künstlers Zeng Chenggang. Die Statue ist ein Geschenk der Volksrepublik China und befindet sich seit dem Jahre 2014 in Wuppertal.

Engelshaus. Foto: Stadt Wuppertal

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Engels in der Popkultur

Der 200. Geburtstag der Wuppertaler Berühmtheit zieht natürlich auch eine künstlerische Auseinandersetzung nach sich. So hat die Edition 52 dieses Jahr die Graphic Novel Engels – Unternehmer und Revolutionär herausgebracht. Wir verlosen zwei Exemplare des lehrreichen und auch unterhaltsamen Werks. Was ihr dafür tun müsst? Geht auf den Originalpost der Facebookseite Zeitenreise.net und hinterlässt uns ein Like. Das Gewinnspiel endet am 06.12.2020. Viel Glück!

Heuer, Mauruschat, Gerste: Engels- Unternehmer und Revolutionär

Titelfoto: Stadt Wuppertal

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