Das Nordkap in Norwegen: Europas nördlichster Punkt

Das Nordkap, eine der beliebtesten Touristenattraktionen Norwegens, befindet sich auf der Insel Magerøya, im Nordatlantik in der Provinz Troms og Finnmark. Wer den nördlichsten Punkt des Kontinents erreichen will, muss einen langen Weg auf sich nehmen. Die Insel ist ein Sehnsuchtsort für Urlauber, die mit dem Wohnmobil, dem Auto oder dem Fahrrad anreisen. Die Landschaft der Insel besticht durch ihre raue Schönheit und wird in den Sommermonaten von der Mitternachtssonne erhellt.

Nordkap: die Insel Magerøya

Magerøya ist mit dem Festland durch den 6875 Meter langen Nordkaptunnel verbunden, der an seinem tiefsten Punkt rund 212 Meter unterhalb des Meeresspiegels liegt. Vor 1999 war die Insel nur mit Hilfe einer Fähre erreichbar. Ihr Name bedeutet „karge Insel“, was angesichts der vielfältigen Flora ungerecht erscheint. Rund 400 verschiedene Moose, Flechten und Gräser sind während der kurzen lichtreichen Periode der Mitternachtssonne dort zu finden. Eine davon ist die Rentierflechte, die den domestizierten, aber frei umherstreifenden Rentieren als Nahrung dient. Während der Sommermonate weiden die Tiere auf der Insel, während sie im Winter auf das Festland zurückkehren. Darüber hinaus können Urlauber diverse Vogelarten, so zum Beispiel Papageientaucher, Seeadler oder Eissturmvögel beobachten. Ein echtes Erlebnis ist die Bird Safari in das Gjesværstappan Naturreservat, wo sich mit etwas Glück auch Robben zeigen.

Rentiere auf Magerøya Foto: Christian-Roth-Christensen/VisitNorway.com

Honningsvåg – die nördlichste Stadt Europas?

In Honningsvåg leben rund 2500 Einwohner, sodass die Siedlung der größte Ort der Insel ist. Umstritten ist der Status als nördlichste Stadt Europas, denn die eigentlich weiter südlich auf der Insel Kvaløy gelegene Stadt Hammerfest beansprucht diesen Titel für sich. Honningsvåg liegt eigentlich nördlicher, ist aber rein faktisch keine Stadt, da dieser Status in Norwegen ab 5000 Einwohnern vergeben wird. Die nördlichste Ortschaft innerhalb Europas ist hingegen Longyearbyen auf der Insel Spitzbergen. Die Detailfragen um den Status der beiden Städte ändern jedoch nichts an der Tatsache, dass die Häfen beider Orte regelmäßig von Kreuzfahrtschiffen der Linie Hurtigruten aufgesucht werden. In Honningsvåg gibt es auch einige Restaurants und Bars, die während der Hauptsaison geöffnet sind. Während der Nebensaison hat man die Stadt zwar für sich, sollte aber vor dem Besuch einer Lokalität anrufen, um Enttäuschungen zu vermeiden.

Honningsvåg. Foto:Christian-Roth-Christensen/VisitNorway.com

Nordkap: Subarktisches Klima, Nordlichter und Mitternachtssonne

Wer ans Nordkap reist, lässt die Badeschlappen und den Bikini am besten zuhause. Es könnte etwas frisch werden, markiert die Insel Magerøya doch den nördlichsten Punkt auf dem Festland. Durch den Einfluss der Golfstroms ist das Klima jedoch subarktisch, was dazu führt, dass die Temperaturen in den Sommermonaten um die 10 Grad herum liegen und dass es an besonders warmen Tagen bis zu 25 Grad werden kann. Die Durchschnittstemperatur in den Wintermonaten liegt bei minus drei Grad, aber es kann mitunter passieren, dass die Temperaturen bis minus 15 Grad absinken. Ausreichend warme Kleidung für den Zwiebellook sollte auf jeden Fall mitgebracht werden. Aufgrund seiner Lage oberhalb des Polarkreises geht die Sonne zudem zwischen Mai und Juli überhaupt nicht unter. Zwischen November und Januar bleibt es durch die Polarnacht finster. Diese wird durch die farbenfrohen Nordlichter zu einem touristischen Ereignis.

Die Mitternachtssonne am Nordkap. Foto: Christian Roth Christensen / VisitNorway.com

Die Nordkaphalle und die Anfänge des Tourismus

Ziel der zahlreichen Touristen ist die Nordkaphalle, ein Zentrum für Besucher, das 1959 in den Felsen hinein gebaut wurde. Da man die Natur so wenig wie möglich in Mitleidenschaft ziehen wollte, erweiterte man das Gebäude Schritt für Schritt unterirdisch. So findet sich eine religionsübergreifende Kappelle, eine Grotte, ein Kinosaal und eine Ausstellung über die Geschichte des Tourismus auf der Insel in den Eingeweiden des riesigen Komplexes. Das Kino gibt eine informative Einführung über das Phänomen der Mitternachtssonne und der Polarnacht, während die Ausstellung über die ersten Besucher des nördlichsten Punkts Europas berichtet, so zum Beispiel den französischen Prinzen Louis-Phillipe im Jahre 1795 oder den schwedischen König Oscar II im Jahre 1873. Darüber hinaus befindet sich ein Andenkenladen vor Ort, der auch hochwertige Kleidung zu norwegischen Preisen feilbietet. Günstiger ist ein Selfie am Globus, dem Wahrzeichen des Nordkaps.

Der Globus am Nordkap – Ort zahlreicher Selfies. Foto: Christian-Roth-Christensen/VisitNorway.com

Nordkap: Wanderwege auf der Insel Magerøya

Vorab sei gesagt: Wandern auf dieser kargen und schönen Insel sollte nicht unbedarft geschehen. Das Wetter kann schnell umschlagen. Wer eine Tour plant, sollte irgendwo, vielleicht am Auto oder in der Unterkunft, einen Hinweis auf den Zeitpunkt und das Ziel der Wanderung hinterlassen. Man sollte zudem auf den Wegen bleiben, um die fragile Natur der Region zu bewahren. Ein Wanderweg führt beispielsweise vom Nordkapp Camping zum Aussichtspunkt über den Skipsfjord. Markiert ist der einstündige Wanderweg mit einem roten T. Der tatsächlich nördlichste Punkt der Insel ist die Landzunge Knivskjelodden. Startpunkt ist der Parkplatz an der E69, der rund sieben Kilometer vor dem Nordkap-Plateau liegt. Rund eine Stunde nimmt der Rundwanderweg vom Kirkeporten Camping zur Felsformation Kirkeporten in Anspruch.

Kirkeporten – Touristenattraktion und heiliger Ort. Foto:Christian Roth Christensen / VisitNorway.com

Nordkap: Felsformationen als heilige Orte der Sami

Die Steinformation Kirkeporten ist eine beliebte Touristenattraktion, hat aber eine darüber hinausgehende Bedeutung für die Samen, das in Sápmi lebende Ursprungsvolk, das zu früheren Zeiten einen animistischen Glauben pflegte. Der Felsen ist eine Sieidi, ein magischer Ort, an dem Göttern, Geistern oder den Ahnen geopfert wurde. Diese Orte waren Teil des alltäglichen Lebens und sind häufig markant hervorstehende Plätze in der näheren Umgebung. Aus Dankbarkeit für eine gelungene Jagd wurden dort Horn, Fisch oder Fleisch geopfert. Die letzten Opferungen gehen in das 20. Jahrhundert zurück, aber zahlreiche heilige Orte sind nicht in Vergessenheit geraten. Eine davon ist der Stállu in der Gemeinde Kvalsund. Sagen erzählen, dass der hoch herausragende Fels der Fuß eines Riesen gewesen sei. Er kann auf dem Rückweg aus der Stadt Hammerfest besichtigt werden.

Samisches Lavvo. Foto: Christian Roth Christensen / VisitNorway.com

Samische Kultur in der Finnmark

Im Norden Skandinaviens finden sich darüber hinaus verschiedene Siidas, wo Besucher sich während der Hauptsaison über die samische Kultur informieren und Kunsthandwerk wie Messer, Rentierwurst oder Felle erwerben können. Auf Magerøya liegt eine Siida am Skipsfjord, die von der Familie Somby geführt wird. Ihre Rentiere bleiben bis zum September auf einer Sommerweide der Insel und kehren dann in ihr Wintergebiet in Karasjok zurück. Auch im restlichen Teil der Finnmark, so zum Beispiel in Alta, finden sich die charakteristischen Zelte, in denen samisches Handwerk feilgeboten wird, so zum Beispiel auch gegenüber des am Altaelv gelegenen Alta River Camping.

Do’s und Don’ts in arktischer Landschaft

Der Klimawandel setzt der arktischen Natur ohnehin schon zu. Wie verhalten sich verantwortungsvolle Reisende daher am besten? Am Nordkap und auf dem restlichen Teil der Insel sollte man darauf verzichten, das Jedermannsrecht zu nutzen und auf einem Campingplatz oder in einem Hotel übernachten. Die ausgeschriebenen Wege sollten nicht verlassen werden und natürlich auch keine Blumen gepflückt werden. Ein besonderes Thema sind die Steintürme, die auf dem Weg über die E69 zu sehen sind und die von Reisenden errichtet werden. Diese schaden doch, ohne es zu wissen, der empfindlichen Natur der Insel. Auf Magerøya sind die Steine essentiell für die Temperatur des Bodens und für das Gleichgewicht des Ökosystems. Die Entnahme nur weniger Steine schadet so sehr, dass der Bereich Jahre braucht, um sich wieder zu regenerieren. Aus diesem Grund sollten Touristen keine Türme bauen.

Zarte Blümchen in der rauen Finnmark. Foto: Sara Johannessen /VisitNorway.com

Kulinarische Highlights: Stockfisch und Monsterkrabben

Bei einer Reise zum Nordkap ist es zwar günstiger, das Auto oder den Wohnwagen mit allen Grundnahrungsmitteln zu bestücken, aber ein Blick über den Tellerrand schadet in der Regel nicht, sondern erweitert den Horizont. Reisende sehen vor Ort häufig Stockfisch auf hölzernen Gestellen hängen. Auf den ersten Blick sehen die zwischen Februar und Mai in der Meeresbrise getrockneten Fische zwar ein wenig seltsam aus, sie enthalten aber viele gesunde Inhaltsstoffe. Der Stockfisch ist proteinhaltig, ideal für die schlanke Linie, enthält Eisen und Vitamin B12. Allgegenwärtig ist auch Rentierfleisch in allen Varianten. Besonders schmackhaft ist es mit Preiselbeeren. Ebenfalls köstlich sind die Königskrabben, die Mitte der 1960er Jahre von russischen Forschern in der Barentssee ausgesetzt wurden und die sich als invasive Art durchgesetzt haben. Am Nordkap haben Besucher zudem die Gelegenheit, die Tiere selbst zu fangen und zuzubereiten. Die Meeresbewohner schmecken mit Aioli, Brot und Weißwein.

Die Königskrabbe. Benjaminsen /VisitNorway.com

Weitere Sehenswürdigkeiten in der Finnmark

An der E69 befinden sich zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die erkundet werden wollen. In direkter Nähe der Insel liegen beispielsweise:

Wir empfehlen, auf dem Hin- und Rückweg auch die kleineren Geschäfte am Wegesrand zu besuchen und sich vom Personal interessante Geschichten aus der Finnmark erzählen zu lassen. Auch Rentiere, die vom Wegesrand auf die Straße stolpern, sind keine Seltenheit. Es ist also ratsam, sich Zeit zu lassen und vorsichtig zu fahren.

Titelfoto: Christian Roth Christensen – VisitNorway.com

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