Alta in Norwegen: Uralte Felsritzungen und kühle Fjorde

Der Langfjord bei Alta

Die Stadt Alta gilt als das Tor zur Finnmark und weist für ihre Lage ein vergleichsweise mildes Klima auf. Zwischen den Monaten Mai und August werden Urlauber durch die Mitternachtssonne angelockt, während die Winterzeit von den schillernden Nordlichtern geprägt ist. Ideal eignet sich Alta für Naturverliebte, die in der rauen Natur der Finnmark umherstreifen wollen. Darüber hinaus bietet die vielseitige Region, in der es auch ein Eis-Hotel und eine moderne Kathedrale gibt, darüber hinaus Interessantes für Freunde der Archäologie: Das Alta-Museum in Hjemmeluft.

Alta Museum: Die Felsritzungen am Fjord

Die kunstvoll in den Fels geritzten Bilder und Felszeichnungen geben noch heute Aufschluss über das Leben der Jäger und Sammler, die vor rund 7000 Jahren die Finnmark besiedelten. Der Ort, in dessen Umgebung ungefähr 6000 Ritzungen dokumentiert sind, ist seit 1985 Teil des UNESCO-Welterbes. Beim Alta-Museum bei Hjemmeluft flanieren Besucher auf hölzernen Stegen an ungefähr 3000 Petroglyphen vorbei. Einige der Ritzungen sind mit roter Farbe nachgezeichnet, was nicht authentisch ist, aber für eine bessere Sichtbarkeit sorgt. Die besondere Lage zwischen dem Meer, den Bergen und dem Land verlieh dem Ort schon damals eine besondere Bedeutung.

Die Felsritzungen Alta Museum
Die Felsritzungen am Fjord. Foto: www.altamuseum.no

Jäger und Sammler in der Finnmark

Bewohnbar wurde der Norden Skandinaviens mit dem Rückzug des Inlandeises. Am Ende der Eiszeit ließen sich die ersten Bewohner an den Fjorden nieder, um dort vom Fischfang und der Jagd zu leben. Das Ufer des Fjords war für die Siedler kein alltäglicher, sondern ein heiliger Ort. Die Petroglyphen machen deutlich, welchen Stellenwert die Jagdbeute für den damaligen Menschen hatte: Die Vorfahren der samischen Urbevölkerung hatten ein animistisches Weltbild, in dem Tiere, Orte und Naturphänomene beseelt waren. Schamanen, die bei den Samen Noiaden hießen, oblag die Aufgabe, mit Göttern, Geistern und Ahnen zu kommunizieren. Die Götterwelt war ebenso zwiespältig wie die Natur der Finnmark. Der Gott Horragallis, eine Entsprechung des nordischen Gott Thors, sorgte für Regen, konnte aber als Herr der Blitze furchterregend sein. Durch Opfer, die an sogenannten Sieidi durchgeführt wurden, besänftigten die Samen ihre Götter, baten aber auch um Glück bei der Jagd oder Schutz für die Rentierherden.

Die Felsritzungen von Alta
Die Petroglyphen von Alta zeigen Jagdszenen. Foto: Carsten Dahlmann

Moderne samische Kultur in Alta

Die gering besiedelte Finnmark ist Teil von Sápmi, dem Lebensraum der Samen. Deswegen gibt es in Alta natürlich eine samische Siedlung, eine sogenannte Siida, in der Touristen die Kultur der indigenen Urbevölkerung der Finnmark besser kennenlernen können. Die gegenüber des Alta River Campings gelegene Siida wurde gegründet, da ein Bedarf bestand, über die Kultur und die Lebensweise der Sami zu informieren. Die Sami Siida in Alta wurde 2002 ins Leben gerufen. Geführte Touren durch die Umgebung, Fahrten mit dem Rentierschlitten oder kulturelle Abende sind Teil des Programms. Interessant ist auch der Joik, ein traditioneller Gesang, der das Wesen einer Person oder eines Tiers auf musikalische Art und Weise darstellt. Die traditionelle Küche der Samen beinhaltet viel Rentierfleisch und Fisch, so zum Beispiel den im Alta-River lebenden Lachs. Dazu reicht man traditionell Preißelbeeren. Das Restaurant ist in den Abendstunden geöffnet.

Rentierfleisch in Norwegen
Das Rentier ist die zentrale Zutat der samischen Küche. Foto: Christian Roth Christensen – VisitNorway.com

Alta – die Stadt der Nordlichter

Wer die mysteriösen und überaus faszinierenden Nordlichter einmal selbst sehen möchte, braucht das richtige Timing und den perfekten Standort. Die Stadt Alta bietet durch ihr stabiles Klima und die guten Wetterbedingungen die besten Voraussetzungen dazu. Aus diesem Grund darf sich Alta seit dem Jahr 2000 auch offiziell „die Stadt der Nordlichter“ nennen. Das weltweit erste Observatorium für Nordlichter wurde übrigens im Jahre 1899 auf dem Berg Hallde in Alta erbaut. Es war bis ins Jahr 1926 in Gebrauch, bis die Forschung sich nach Tromsø verlagerte. Seit dem Jahre 2017 können Touristen neun Kilometer vom Kåfjord bis zum verlassenen Observatorium wandern. Die letzten vier Kilometer entsprechen exakt dem Weg, den die Forscher damals auch gegangen sind. Die Wanderung dauert etwa drei Stunden. Es wird empfohlen, nur bei stabilem Wetter zu wandern und auch eine Notiz mit dem Wanderziel am Auto zu hinterlassen. Andere Wanderungen im Bereich der Fjorde sind ebenfalls zu empfehlen.

Nordlichter Norwegen
Das Nordlicht – ein besonderes Erlebnis. Foto: Foap – VisitNorway.com

Die Nordlichter sind ein beeindruckendes Phänomen und so galten sie früheren Völkern des Nordens als göttliche Erscheinung oder man hielt sie für die Geister der Verstorbenen. Die Sami sahen in Nordlichtern mit rötlicher Einfärbung ein böses Omen, bei dem die Bewohner der Region lieber in ihren Häusern blieben. Eine der Vorstellungen der Inuit war, dass das Nordlicht eine Brücke ins Jenseits sei und dass sie für die gerade Verstorbenen erschien. Heute wissen wir, dass Nordlichter entstehen, wenn elektrisch geladene Teilchen der Sonnenwinde auf das Erdmagnetfeld treffen. Polarlichter treten primär in Regionen jenseits des Polarkreises auf, so zum Beispiel auch im nordschwedischen Kiruna oder in Longyearbyen auf Spitzbergen.

Die Nordlicht-Kathedrale – Europas nördlichste Kathedrale

Der Grundstein der 47 Meter hohen Kathedrale wurde 1999 zum Jahreswechsel gelegt. Zeitgleich wurde Alta der Status einer Stadt zuerkannt. Eingeweiht wurde die Kirche im Jahre 2013, im Beisein der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit. Das Design des sakralen Gebäudes stammt von Kolbjørn Jenssen und ist zugleich von den Nordlichtern inspiriert. Die Intention war, dass das spiralförmige Gebäude einen markanten Punkt in der Stadt darstellt. Die Kirche befindet sich am Ende des Zentrums von Alta und ist von Parkplätzen umgeben.

Nordlicht-Kathedrale in Alta
Die Nordlicht-Kathedrale in Alta. Foto: Lars Palczak CC BY-SA 4.0

Für den Außen- und Innenbereich wurde Beton verbaut, der außen mit Titan verkleidet ist. Das Innere der Kirche ist mit unzähligen Leuchtioden bestückt, sodass ein ganz spezielles Licht entsteht. Die Christusfigur wirkt dadurch wie von Nordlichtern umgeben. Durch die künstlerische Umsetzung ist die Nordlicht-Kathedrale in Alta auch für Agnostiker oder Atheisten interessant.

Alta und der Zweite Weltkrieg

Viele Erinnerungsstätten in Norwegen erinnern an den Zweiten Weltkrieg, der ebenfalls große Auswirkungen auf die abgelegene Finnmark hatte. Der Kåfjord war aufgrund seiner strategischen Lage einer der größten Marinebasen außerhalb Deutschlands. Die dort liegenden Kriegsschiffe bedrohten Händler, die ihre Waren über die Barentsee in die sowjetische Stadt Murmansk verschiffen wollten. Die heutige Grenzstadt Kirkenes war ebenfalls ein bedeutsamer Stützpunkt der Deutschen, die Murmansk erobern wollten. Im Herbst 1944 gelang es der Roten Armee, die deutschen Truppen zurückzuschlagen. Diese hinterließen in der Finnmark verbrannte Erde, woran auch das Wiederaufbaumuseum in Hammerfest erinnert. Das Tirpiz-Museum im Dorf Kåfjord zeigt Fotos des Kriegschiffs Tirpitz und stellt Exponate der feindlichen Gruppen aus. Zusätzlich erfahren Besucher mehr über den politischen Widerstand in der Finnmark.

Kåfjord bei Alta
So friedlich war es am Kåfjord nicht immer. Foto: Caroline Maybach CC-BY-SA 3.0

Sorrisniva Igloo Hotel in Alta

Zauberhafte Eispaläste sind in Skandinavien an vielen verschiedenen Orten entstanden und so findet sich ein Eishotel im schwedischen Jukkasjärvi, eine Eisbar in Stockholm und auch ein Igluhotel in Alta. Das Hotel ist rund 20 Kilometer von Alta entfernt und hat zwischen Weihnachten und Ostern Saison. Ab Dezember verarbeitet man 250 Tonnen Eis aus dem nahegelegenen See Sieravannet. Das eisige Gebäude ist 2500 Quadratmeter groß und offeriert 30 Gästezimmer, eine Kapelle, eine Bar und unzählige geräumige Lounges.

Sorrisniva Igloo Hotel
Frostig und ein bisschen dekadent: Die Eisbar im Sorrisniva Igloo Hotel. Foto: Oddbjorn Farkvam

Auch das Eishotel in Alta bietet seinen Gästen ein bisschen mehr als andere Hotels. So setzen die Künstler jedes Jahr ein anderes Thema gestalterisch um, so zum Beispiel die Kultur der Wikinger oder der Samen. Eine ungewöhnliche Erfahrung ist auch, seine Drinks nicht kühlen zu müssen, sondern sie in einem Glas aus Eis zu genießen. Das Erlebnis hat aber seinen Preis: Ein Doppelzimmer mit einem Bett mit zwei Schlafsäcken und Matten aus Rentierleder kostet umgerechnet 200 Euro pro Nase. Eine Besichtigung schlägt mit 20 Euro zu Buche. Darüber hinaus können Paare im Eishotel in Alta auch den Bund fürs Leben schließen.

Nachhaltiger Tourismus in Norwegen

Die Tier- und Pflanzenwelt der Finnmark ist außergewöhnlich schön und natürlich wollen Einwohner und Reiseveranstalter diesen Schatz für kommende Generationen bewahren. Viele Regionen, so zum Beispiel der Geirangerfjord im Süden Norwegens, sind als besonders nachhaltig zertifiziert. Das bedeutet, dass der Veranstalter und die Anwohner sich bemühen, den ökologischen Fußabdruck des Tourismus besonders klein zu halten. Die Stadt Alta ist auf einem guten Weg dahin, das begehrte Zertifikat zu erhalten. Dazu gehört auch, die Kultur und die sozialen Werte der Region zu bewahren. Dies ist besonders wichtig für die Sami, da die Rentierzucht ein wichtiger Teil ihrer Kultur ist. Die Rentiere und die Natur der Arktis reagieren aber leider sehr sensibel auf die klimatischen Veränderungen, sodass Maßnahmen zum Umweltschutz zugleich auch Minderheitenschutz in der Region sind.

Weitere Orte und Städte der Finnmark

Tipp: Wer von Alta zum Nordkap und von dort aus nach Tromsø reisen möchte, sollte auf seiner Reise mehr Zeit einplanen als das Navigationsgerät vorgibt. Da auf allen Straßen ein moderates Tempo herrscht, da man die theoretische Höchstgeschwindigkeit auf den teils engen Straßen gar nicht einhalten kann, sollten zwei bis drei Stunden Puffer eingeplant werden.

Titelfoto: HenrikJ CC-BY 3.0

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